Gerrit Hasirchie, Beschäftigter des Diakoniewerkes im nördlichen Mecklenburg:

 

Unabhängig vom Start, sich in musische Segmente einzubringen, brachten mir die Reisen nach Portugal und Schweden nicht nur fürs Ohr sondern auch fürs Auge eine ganze Bandbreite an Inspirationen. Malerisch versteht sich. Wenn auch nicht immer sprachlich, wurde die Kommunikation durch manch Lächeln, Zwinkern oder Winken wettgemacht. Auch verstand ich englisch als Welt-sprache und nicht als Jux Instrument, von wegen Filmklamauk.

Laxâ: Zum Empfang hatte uns das Musik Duo Micke und Ron eine traditionelle Folklore serviert, zu der auch ein Pärchen mit einer Tanzeinlage aufwartete. Das erste Abendessen war durchaus köstlich: es gab ein kleines Buffet, soweit mir noch in Erinnerung schwebt. Unsere erste Besichtigungsfahrt wies nach Örebro; dort wurde uns eine modular konzipierte Inklusiv Schule vorgestellt, in der auf die verschiedensten Bedürfnisse und Lernprozesse eingegangen werden soll. Auch nachdem uns ein Skript darüber vorgelegt wurde, wie das Bildungssystem in Schweden aufgebaut ist. Die Erklärungen dazu waren vom Sinn her durchaus plausibel, dank auch den Übersetzern.

Mich hat auch sehr beeindruckt, dass das Café, in dem wir saßen, auch Menschen mit Autismus beschäftigt/fördert. Sowie uns auch die Bereiche Garten, Land und Wald erklärt wurden. Theoretisch.

In einem Atelier, ´auch´ in Örebro, berichtete uns der Initiator irischer Herkunft über die Aktivitäten und Werke der Klienten, wobei mir positiv auffiel, wie manch Portrait noch richtig in Szene gesetzt wird, wie uns eine Zeichnung über eine Person verriet, die aussah wie der Frontmann der Waver Combo „Dead or Alive“.

Hin und wieder zahlt sich Kult aus: Auf einer „Privatrennstrecke“ von Örebro wurde 3sprachig erklärt, dass Menschen mit Beeinträchtigungen selbst ihr Fahrgeschick live und in Farbe auskosten können. Sonst nur virtuell an Game Cubes oder Simulatoren zu erproben. Probehalber war ich auch an der Reihe, zumal es die Hälfte eines V8 genauso auf die Achsen legen konnte (Slang). Eine echte Stil-ikone, dieser Volvo 740.

Die Laxâer Kirche zu besichtigen startete mit der Erprobung der Orgel, auf der ich das bewährte Gesangsbuchlied „Ins Wasser fällt ein Stein“ in der Millennium Street Soul Option einspielte. Die Akustik empfand ich eigens gerade perfekt abgestimmt. Auch wie der Pastor, der auch zu der schwedischen Delegation gehörte, den Aufbau erklärte, war sehr beeindruckend.

Der Kernpunkt assoziierte sich auf die Vernissage in Laxâ selbst: Es hatte mich sehr durchflossen, wie verschiedenste Kulturen und Gruppen ihr Können unter Beweis stellten. Ein Mädchen, das neben mir ihre Werke ausgestellt hatte, konnte ungefähr 4-5 Stück loswerden. Über die Zeichnungen   funk-tionierte  die Kommunikation einwandfrei, wenngleich sie nur schwedisch sprach. Aber sie zeigte mir auf ihrem Smartphone einige Portraits von sich, während ich ihr einige meiner eigens geschriebenen Balladen auf der Akustikgitarre performte. Das Motto: 80´s at it´s best. In Schweden genauso reich vertreten wie die US Car Szene z.B.

Der irische Atelierbetreiber kam auch zu Besuch der Vernissage. Ich konnte nun nicht alle Details zu meinen Zeichnungen auf Englisch schildern, doch dafür half mir bei der Übersetzung Eric Lenschow, der Sohn der stellvertretenden Bürgermeisterin von Grevesmühlen, Christine Lenschow. Die Misch-zeichnungen, die ich selbst mitgebracht hatte, warfen bei jedem Betrachter die Frage auf, was die vielen Zahlen aussagen sollten. „Malen ´in´ Zahlen“ lautete das Thema.

Am Ende der Ausstellung gab der Atelierbetreiber aus Örebro mit 2 weiteren Musikern/Klienten eine Final Session in Irish Folk zu Gehör. Des Abends saßen wir noch zu einer geselligen Runde zusammen, in der via Flaschendrehen jeder, der an der Reihe war, seine eigene Gesangseinlage bringen durfte. Vor allem konnten Eric und ich als eingespieltes Team das halbe oder ganze Otto Repertoire herunterkaspern. An dem Abend fiel mir eine Frau von der polnischen Delegation besonders rührig auf. Nach 2 Balladen international ließ ich es mir nicht nehmen, ihr die Hand zu küssen. Auch aus Freundschafts- und Kavaliersgründen.

Am Folgetag schauten wir uns einen Landhof an, der mit physikalisch folgerichtiger Barrierefreiheit aufwartete. Ohne überschüssige Technik oder Elektronik. Das Probierreiten fand ich selbst noch zu heikel, nachdem mir 1996 um Haaresbreite ein Unfall bergab passiert gewesen wäre. Damit(!)

Neben einer Mahlzeit aus einer Gulaschsuppe vom Traktor bestehend, besichtigten wir die Kunst im Wald. Und wieder Inspirationen für eine eigene Arbeitsweise, obgleich mehr Skulpturen zur Präsenz standen. An einem Seeufer las man uns je nach Übersetzung die Legende der roten Seerosen vor.

Nach einem Abschiedsdinner rief uns die in Laxâ angesiedelte Profi coverband, in der die Schwester der Frontfrau von Rednex mitwirkt, zu einem Finaleschwof. Zumeist endete meine Bewegungsart in staccato Slalom, d.h. Dancing with Myself(…)

 Eine zweite Begehung der Ortskirche erfolgte noch in derselben Nacht vor der Rückreise; für diejenigen, die diese noch nicht beschaut hatten.

Auf der Rücktour selbst sprudelten mir schriftlich 1 Song, 4 Gedichte und 3 Zeichnungen heraus, um die Momente dessen zu bewahren. Insgesamt gelang es, den Seelenrost aus mir zu entfernen.  Multikulti hilft sehr beim Blick über den Tellerrand. Mir hat´s jedenfalls geholfen.   

 

Loures, Portugal:

 

Kulturelle Inklusion ist machbar:

Nach einigen Proben mit dem Akkordeon-Orchester von Silvio Bollmann, einem Teil der Greves-mühlener Musikschule Fröhlich, zeichnete sich ab, dass das Zusammenspiel mit den verschiedensten Instrumenten-außer nur Akkordeon-durchaus glückt. Desweiteren hatten wir die Gelegenheit, uns mit einzelnen Teilnehmern des Orchesters auch über andere Bereiche wie Kunst, Bildung ect. zu unterhalten. Hin- und Rückfahrt dauerten jeweilig 2 ganze Tage, konnten wir uns die Zeit mittels mehrstimmigem Gesang und anderweitigen Sessions gut vertreiben.

Es besteht die Hoffnung, dass eine Zusammenarbeit mir der Musikschule Fröhlich fortgesetzt werden kann, um die Grundlagen kultureller Inklusion nicht zu verfehlen, wie wir sie mit unserer Beteiligung an verschiedenen Chören gesetzt hatten, als wir noch in Boostedt/ SH lebten.

Zu den Besichtigungen übriger Bereiche (Holger):

-Am interessantesten war zu nächst der Beschreibung der Burgruine am Lissaboner Stadtufer in         Blindenschrift, was auch für die Sport- und Schwimmhalle spricht.

-Die Fahrten und Gänge durch die Altstadt,

-Die Begehung der modernen modular konzipierten Förderschule, die auch kulturell mobilisiert, incl. Snozelen Room.

-Der Reliefkranich aus Restautoteilen zum Ertasten.

-In gemeinsamer Sache die Kommunikation mit den Freunden und Kollegen der schwedischen Delegation.

-Das Konzert in der örtlichen Kirche, sowie auch die Verbindungshymne „We are the World“ von USA for Africa aus der Zeit 1985/´86.

-Der blinde Jungpianist von der Delegation aus Ungarn.

Persönlich war ich bei all Audiellem auch visuell fortinspiriert:

Eine Migrantensiedlung von paar Dutzend Blocks konnte sich mit der Malerei auf Rückwänden erst-klassig sehen lassen. Künstler aus aller Welt hatten sich  darauf verewigt. Auch die Themenerklärung warf bei mir einen Ergänzungsbedarf bisweiliger Werke auf. Mit ´eigenen´ Themen versteht sich.

Der Snozelen Room der Modularschule bildete eine gute Ausgangsbasis für architektonische Motive. Nicht alleine nur aus Nostalgiegründen: Farbe, Form, Figur und Funke brauchen keine Stadtspielunke. Die integrierte Werkstatt mit den ebenso vorhandenen Wohnformen- um die Ecke praktisch- gab mir als Höhepunkt die Gartenanlage zu schauen, auf der auch eigener Anbau von Lebensmitteln erfolgt. Soweit ich erkennen konnte, bewährt sich dort der Zusammenhalt.Dass sich so viele Hautfarben miteinander verweben können, vermittelte auch das Orchester, das als allererstes an der Reihe war.

Die Nacht der Ankunft in Loures war schon eine passende Ballade wert, als uns eine Frau im Original 80s Love Touch mittels Umarmung und einem Geschenkschal begrüßte. Das Hotel, in dem wir untergebracht waren, Wurde von Oliven, Granatäpfeln, Limonen, Zitronen und Orangen